Gerichtsbericht :)

Ich bin gegen 5:00 Uhr schweißgebadet aufgewacht.

Ich war ruhig, seltsam ruhig, hundemüde und konnte beim besten willen nicht mehr einschlafen.

Ich blieb einfach still im Bett liegen, die Gedanken kreisten um die bevorstehende Verhandlung, Fragen über Fragen im Kopf.

Eigentlich alles was ich schon die letzten Wochen im Kopf durchgekaut hatte.

Ich hatte so gar keinen Bock auf diese Verhandlung, ich wollte einfach nur noch in Ruhe gelassen werden.

Ich empfinde, was das angeht, einfach nur noch Leere, ein ich mag nimmer, warum soll ich schon wieder das alles durch kauen, halt das Gefühl endlich in Ruhe gelassen werden zu wollen, endlich in Frieden leben zu können.

Tja und das gab mir innere Ruhe, fragt nicht wieso, es war halt so.

Gegen 6:30 Uhr kam dann mein kleiner Mann angetappelt und kuschelte sich zu mir ins Bettchen „Ich kann nicht schlafen“ flüsterte er und schmiegte sich ganz eng an mich, damit ich ihn noch ein wenig knuddel.

Nach einer weile meinte er leise, das er Kopfweh hat und das er ganz doll aufgeregt sei wegen der Verhandlung, aber das er dem Richter sagen wird das er den Papa nicht mehr sehen will, ER wird das sagen nicht der HASE.

Er hat doch den kleinen weißen Hasen bekommen und der hätte dann notfalls für ihn geredet, wenn er selber sich nicht getraut hätte, ein kleiner Dreh, der dem kleinen Mut gemacht hat und ich kann Euch sagen dieser Hase ist ein echtes Plappermaul 🙂

Kurz vor 8:00 Uhr sind wir zwei dann aufgestanden und haben uns in der Stube aufs Sofa gekuschelt um da noch ein wenig zu reden, schlafen konnten wir Zwei ja nicht mehr, aber die Anderen wecken wollten wir auch nicht.

Außerdem hatten wir beide Kopfweh, was aber scheinbar am Wetter lag, den auch die Anderen hatten nach dem aufstehen Kopfweh.

Der kleine Mann war auch seltsam ruhig geworden, erschien richtig stark, was ich richtig toll fand, er war sich sicher was er wollte und egal was es war es war in Ordnung für mich, denn es tat ihm gut.

Gegen 8:45 Uhr klingelten dann die Wecker und der Rest stand auch auf, wir frühstückten gemeinsam, wobei ich genau darauf achtete, das ich auch wirklich nichts zu mir nehme was mir Bauchweh machen könnte, was bei Getreidefrei, Lactosefrei und Histaminarm inzwischen nicht mehr so ganz einfach ist, aber ich hab es geschafft.

Tja und dann waren wir fertig und startklar, zur Vorsicht gab es für die Jungs noch eine Tablette gegen Reisekrankheit, wegen der Aufregung die hätte einsetzen können.

Seltsame Stille herrschte im Auto, eigentlich sonst sehr ungewöhnlich, draußen war überall Nebel und irgendwie hatte ich das Gefühl das alles so unwirklich ist.

Die Fahrt verlief ruhig und wir kamen zügig voran.

Auch in Hamm fanden wir uns gut zurecht und hatten das OLG sofort gefunden.

Tja da waren wir nun, standen auf einem riesen Parkplatz und hatten noch eine halbe Stunde Zeit, bis wir uns mit dem Anwalt der Kinder treffen wollten, damit er diese am Vater vorbei in das Kinderzimmer bringt.

Was also tun? Spazieren… und das taten wir auch.

Wir spazierten auf dem Parkplatz, schauten uns die Nummernschilder an und redeten.

Nach dem wir die erste Runde gedreht hatten, war eine Viertel Stunde vergangen, wie gesagt der Platz war wirklich groß.

Bei der zweiten Runde die wir drehten erlebten wir dann noch ein kleines Highlight, auf dem ganzen Parkplatz waren Schilder das man aus den Parkbuchten nur rückwärts ausparken soll weil in der Mitte eine Rinne ist und man dann blöderweise allein nimmer raus kommt.

Der Kleine lies sich das von uns erklären und ein paar Minuten später konnte er sich das dann Life anschauen, da hatte nämlich wer gedacht er könne das besser und nun hing er da.

Mein Schatz holte dann schnell sein Auto und hängte sie ans Schleppseil, während ein paar andere Helfer(lustig waren Anwälte aus unserer Stadt wie sich herausstellte) vor vorn mit schoben, damit die Herrschaften wieder frei kamen.

Tja und so war dann auch die zweite viertel Stunde um, nur leider war der Anwalt der Kinder noch immer nicht da und ich wurde langsam nervös immerhin hatte ich nur noch eine viertel Stunde bis die Verhandlung beginnen sollte.

Kurz darauf kam dann meine Anwältin und wir redeten eine Weile, schließlich mussten wir rein und der Anwalt der Kinder war noch immer nicht da, mein Schatz bot dann an draußen mit den Jungs zu warten und so zog ich schweren Herzens los.

Von meiner Anwältin erfuhr ich das mein Exmann, der dieses Verfahren erst heraufbeschwor, einen Antrag gestellt hatte, das er selber nicht erscheinen bräuchte.

Meine Augen könnt Ihr Euch sicher vorstellen, Tellergroß sag ich nur, da macht er hier so ein Affentheater, will das Sorgerecht für seine Kinder und will dann nicht mal persönlich erscheinen *kopfkratz* muss ich nicht verstehen oder!?

Nun jedenfalls sind wir dann erstmal rein gegangen, wo uns auch schon die Damen vom Jugendamt entgegen kamen, auch die hatten den Vater noch nirgends entdeckt, was aber auch daran liegen kann das sie ihn trotz mehrfacher Einladungen noch nie gesehen hatten, man merkt, das hat System bei Ihm.

Wir haben uns dann auf die Suche nach dem Sitzungssaal gemacht, immer mit dem Blick nach hinten, ob den nun endlich der Anwalt der Kinder mit den Jungs käme und da hörte ich ihn schon von weiten, meinen Exmann meine ich und dann sah ich auch seine neue Freundin die es vor Neugier natürlich nicht aushielt und schauen musste wer da kommt.

Nein Ich habe nicht dagegen, das mein Exmann eine neue Freundin hat, aber ich hab was gegen die Einmischungen von Ihr, sie kennt mich nicht und wettert kräftig gegen mich, mein Freund macht das auch nicht und wenn er das tun würde würde ich ihn zurück pfeifen, so was gehört sich nicht, aber zum Glück hat mein Schatz ja Anstand.

Kurz darauf, kamen auch meine Kinder, mein Freund und der Anwalt der Kinder um die Ecke und gingen zu meiner Erleichterung den Gang in die andere Richtung hinab, sie waren nun sicher untergebracht, ohne ihren Vater sehen zu müssen.

Mein Schatz kam dann zu mir und erzählte das der Kleine den Anwalt ausgeschimpft hätte, weil er zu spät war und das er sich aber nicht mit Stau rausreden könne bei uns war schließlich auch keiner 😀

Nun den, der Sitzungssaal wurde geöffnet, wir traten ein, böse Blicke von der Freundin und meinem Exmann trafen mich, keine Angst ich lebe noch, jedoch fehlte wer, nämlich die Anwältin der Gegenseite.

Die 3 Richter, entschlossen erstmal die Kinder anzuhören, um der Anwältin, welche mit dem Flugzeug anreisen wollte, noch etwas Zeit zu geben und somit wurde die Sitzung erstmal um eine halbe Stunde unterbrochen.

Wir gingen mit meiner Anwältin, Kaffee trinken, ich nur Wasser, ihr wisst ja Allergien 😉 , das wurde dann auch so ein bissel Thema unter uns…Lebensmittelbingo, was kann ich den noch essen 😀

Zwischendurch schielte ich immer wieder zum Anwalt der Kinder, der saß nämlich mit der Gerichtsgutachterin und dem Jugendamt an einem Tisch und das war gut, die Gutachterin schien doch sehr interessiert, an dem was sie so zu hören bekam.

Nach der halben Stunde, war die Anwältin noch immer nicht da was die Richter, die doch sehr angetan vom Häschen des Kleinen waren, dazu veranlasste noch ein kleines Kaffeepäuschen anzuhängen.

Während der ganzen Zeit, hatte ich keine Angst, ich hielt mein kleines Engelchen von Madebymama in der Hand und fühlte mich Stark, Groß, irgendwie gewachsen.

Plötzlich tauchte auch die Anwältin der Gegenseite auf und als die Richter zurück waren konnte es endlich los gehen.

Eigentlich hätte es der Anwälte gar nicht bedarft , die Richter stellten fast ausschließlich die Fragen direkt an Ihn oder mich.

Sie wollten wissen wieso er das Sorgerecht zurückfordert  und er meinte „Ich will selber bestimmen, was mit meinen Kindern gemacht wird“, soso er will also bestimmen, kommt mir irgendwie aus der Vergangenheit bekannt vor.

Auch ich wurde gefragt, wieso ich nichts dagegen habe das Sorgerecht sogar freiwillig für diesen Bereich abgegeben habe.

„Weil eine Zusammenarbeit mit meinem Exmann nicht möglich ist, weil es egal für welchen Bereich keinerlei Zustimmung oder benötigte Unterschriften gibt und ich auf die Weise, die Kinder nun versorgen kann“

Dann wollten sie wieder vom Vater wissen, wann er die Kinder das letzte Mal gesehen habe bzw was er den von den Kindern weiß.

Es folgte eine Storie die mir den Atem verschlug.

Unser Großer ist ein ganz lieber eigentlich (bis dahin war es die Wahrheit) aber wenn er mal austickt dann richtig, dann gibt es schon mal Schlägereien und wir wären ja schon früher beim Jugendamt gewesen. Wann soll das gewesen sein?

Und über jetzt wüsste er nicht man gebe Ihm ja keine Informationen. Aha wieso meldet er sich nicht mein Anwalt der Kinder oder beim Jugendamt wenn die ihn um Rücksprache bitten?

Wie den die schulischen Leistungen seiner Kinder wären? wurde er gefragt.

Das wüsste er nicht.

Auch ich wurde dazu befragt und konnte nur in den höchsten Tönen von meinen Jungs schwärmen.

Egal was die Richter meinen Exmann fragten, er schoss sich in jedem Fall ein Eigentor.

Warum er sich nicht gemeldet hätte?

Er hätte sich gemeldet, habe aber nur 10 min. Zeit zum telefonieren.

Der Anwalt der Kinder sagt aber ganz klar bei Ihm hat sich nie jemand gemeldet, erst kurz vor der Verhandlung ist man aus dem Tiefschlaf erwacht und hat die Anwältin anrufen lassen, die Anwältin wohlgemerkt nicht er selbst.

Der Anwalt der Kinder und das Jugendamt wurden angehört und sagten beide ganz klar das die Regelung so wie sie jetzt sein bestehen bleiben sollte zum Wohle der Kinder, haben sie ganz brav gemacht.

Dann war die Gutachterin dran und diesmal lies sie nichts gutes mehr am Vater der Kinder immerhin lies sie die Erfahrungen der gehörten Neuigkeiten, durch die Zwangspause am Anfang, voll mit einfließen.

Ein Vater der sich über ein Jahr in keinster Weise bemüht Kontakt zu seinen Kindern zu bekommen, hat das Recht auf Sorge verwirkt.

Wie er das hätte tun sollen? fragte die Anwältin der Gegenseite, große Fragezeichen, bei allen, hatte sie diese Frage wirklich Ernst gemeint?

Mir rutschte dann heraus, ja indem man beim Jugendamt oder dem Anwalt der Kinder mal angerufen hätte, zum Glück sagten das fast alle anderen in dem Moment dann auch, wäre peinlich gewesen so allein dazwischen zu quatschen.

Auf alle Fälle haben die Richter, nach einer kurzen Beratung die wie folgt aussah, der Richter in der Mitte schrieb etwas während der Verhandlung auf einen Zettel, zeigte es nach Links, kurzes Nicken, zeigte es nach Rechts, ebenfalls kurzes Nicken und dann ein „Wir haben und Beraten“ 😀

„Wir raten Ihnen den Antrag zurück zu ziehen, da keine Aussicht auf Erfolg besteht. Sie können sich kurz mit Ihrer Anwältin beraten“

Ich hörte Gesprächsfetzen wie „wenn die Kinder erst 21 fällt das ganze Kartenhaus hier zusammen“ , was soll mir das sagen? und dann durfte seine Anwältin den Antrag zurück ziehen.

Der Anwalt der Kinder bemühte sich danach noch mal sehr freundlich bei dem Vater um ein Gespräch, das er sich doch bitte mal melden solle, worauf mein Exmann sehr typisch für ihn reagierte „Ein bissel mehr Freundlichkeit wäre ja was“ darauf ging der Anwalt der Kinder nur noch Kopfschüttelnd raus.

Der Anwalt der Kinder sagte mir mal, er würde den Vater ja gerne mal kennen lernen, ob das noch immer so ist?

Ich für meinen Fall hab mich geschämt, mächtig geschämt, mit sowas war ich mal verheiratet.

Dar Anwalt der Kinder holte dann meine Jungs ab, er ließ sich extra Zeit und hat in dem Zimmer gewartet bis der Vater am Fenster vorbei war zum Parkplatz.

Als er mit einem breiten Lachen, das hat er übrigens immer im Gesicht der ist so was von freundlich, aus dem Zimmer kam, konnte ich es mir nicht verkneifen zu sagen, er solle nicht so breit lachen man könnte sonst meinen er wäre freundlich, was ihm ein herzhaftes Lachen entlockte, ich mag diesen Menschen und meine Jungs finden ihn auch sehr nett, was die Zusammenarbeit wirklich toll macht.

Wir sind dann alle zusammen raus und haben dem Nachmittag im Maximilianpark verbracht.

Der Kleine hatte noch einen kleinen Durchhänger, er hätte Papa nämlich lieber gar nicht gesehen meinte er, der Anwalt hatte sie ans Fenster gerufen als der Vater vorbei ging, damit sie von weiten einen Blick auf in werfen können.

Er hatte es gut gemeint und nach einer kurzen Unterhaltung, Seele ausschütten, ging es dem Kleinen auch wieder gut.

Leute ich bin so happy das glaubt gar keiner.

Danke an Euch alle, das Ihr mir so viel Mut gemacht habt, mich aufgebaut habt, an mich geglaubt hat und die vielen Daumen gedrückt habt.

Dankeschön von ganzen Herzen.

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12 Antworten zu “Gerichtsbericht :)

    • Danke Junimond, auch wenn ich glaube das der Herr sich noch was einfallen lassen wird, meist kam nach einer niederlage immer noch ein denkzettel, beim letzten mal hat er beim amt behauptet ich besitze grundstücke im osten worauf mir erstmal die leistung gesperrt wurde, ist auch nicht schön mit zwei kindern
      aber erstmal bin ich mega erleichtert zumal er sich selber so ausgenockt hat
      es wäre noch so viel zu schreiben gewesen, aber irgendwie bekomm ich das garnicht alles zusammen, und mein gefühl kann ich gerade auch nicht so recht beschreiben, happy, fliegen, glücklich, berauscht erleichtert irgendwie alles zusammen und viel mehr

  1. Ach mensch, dass ist wirklich schön zu lesen, dass alles so gelaufen ist wie es sollte.

    Über deinen Kleinen musste ich aber herzhaft lachen – ich konnte vor meinen Augen sehen, wie er den Anwalt wegen dem Zuspät kommen ausgeschimpft hatte *g*

    Drück Dich!

    • jo, er fand das wohl auch sehr lustig und mir gab es so kurz vor der verhandlung auch nochmal auftrieb, selbst meine anwältin hat geschmunzelt als sie es gehört hat

    • deinen engel hab ich die ganze zeit in der hand gehalten, ganz doll dank nochmal an dich, das war total lieb, nun muss ich nur noch dich engel kennen lernen 😉

    • es ist alles so geblieben wie bisher, das sorgerecht wurde für die bereiche gesundheit, umgang und antragstellung bei dem anwalt belassen, in den anderen bereichen muss ich mich mit ihm rumschlagen, aber meine karten sind nun die besseren
      zumindest wurde seinem antrag das alleinige sorgerecht zu bekommen nicht stattgegeben

  2. Herzlichen Glückwunsch!!!! *freu*

    Freue mich zu lesen das es so gut gelaufen ist, aber nach allem was ich gelesen habe, hätte es mich auch gewundert wenn es anders ausgegangen wäre.

    Echt schön!!!

    Und wenn ich so lese, wie du über deine Kinder schreibst hoffe ich, das ich über LiLiMe auch mal so toll reden/schreiben kann voller Stolz und Glück.
    Den ich finde es gibt nichts was schwieriger ist als ein Kind zu einem Ehrlichen, Aufrichtigen, Anständigen und Mutigem jungen Menschen zu erziehen, was dir aber anscheinend wirklich gelungen ist.

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